Von Hong Kong bis Macau in 30 Minuten

30 Minuten statt 4 Stunden – Die längste Meeresbrücke der Welt (55km) verbindet nun die einstige portugiesische Kolonie Macau direkt mit Hong Kong. Diese verkürzt nicht nur die Reisezeit – sondern auch die Distanz zwischen dem autonomen Hong Kong und der Regierung Chinas.

9 Jahre hat das Monsterprojekt gedauert und USD 17 Milliarden gekostet. Die Brücke, zu der auch ein 6,7 Kilometer langer, zwischen zwei künstlichen Inseln verlaufender Tunnel zählt, stand wegen Verzögerungen, Korruptionsermittlungen und Baukostenüberschreittungen in der Kritik, doch Präsident Xi Jingpin hat die Brücke nun eröffnet und Hong Kong damit noch stärker den Atem und die eiserne Faust des Festlandes spüren gelassen.

Interessant: Für das Projekt mussten viele Hürde bewältigt werden, weil mit der Brücke drei verschiedene wirtschaftliche und politische System aufeinanderprallen. So haben Hongkong und Macau mit dem Hongkong-Dollar und dem Pataca eigene Währungen; und die beiden Sonderverwaltungszonen verzichten im Gegensatz zum chinesischen Festland auf Kapitalverkehrskontrollen. Auf der Brücke herrscht wie auf dem chinesischen Festland Rechtsverkehr; in Hongkong und Macau gilt dagegen Linksverkehr.

Die Brücke zwischen Macau und Hongkong ist Teil eines riesigen Urbanisierungsprojekts namens «Greater Bay Area», durch das neun wirtschaftlich florierende Städte in der südchinesischen Provinz Guangdong mit den beiden einstigen Kolonien verbunden werden sollen. In dem Gebiet leben etwa 70 Millionen Personen.

Quelle: NZZ